Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig – was tun?

Krankenkasse & Pflege

Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig: Was du jetzt tun kannst (Begutachtung richtig prüfen)

Ein Pflegegrad entscheidet darüber, ob und in welchem Umfang Leistungen der Pflegeversicherung gewährt werden. In der Praxis scheitert es selten daran, dass „nichts vorliegt“, sondern daran, dass Einschränkungen im Alltag nicht konkret genug dargestellt werden oder die Begutachtung nicht die tatsächliche Situation abbildet.

Entscheidend sind: Alltag konkret beschreiben, Hilfebedarf nachvollziehbar belegen, Unterlagen vollständig, und das Ergebnis der Begutachtung sauber prüfen.

Wer grundsätzlich einen Pflegegrad bekommen kann

Ein Pflegegrad kommt in Betracht, wenn gesundheitliche Einschränkungen dazu führen, dass eine Person im Alltag dauerhaft auf Unterstützung angewiesen ist. Maßgeblich ist nicht eine Diagnose „für sich“, sondern wie stark die Selbstständigkeit in verschiedenen Lebensbereichen eingeschränkt ist.

  • Entscheidend ist die Einschränkung der Selbstständigkeit im Alltag.
  • Es zählt, was regelmäßig nicht ohne Hilfe klappt – nicht nur „Ausnahmen“.
  • Unterlagen helfen, aber am wichtigsten sind konkrete Alltagssituationen.

Wie der Ablauf typischerweise läuft

Nach dem Antrag wird in der Regel eine Begutachtung veranlasst. Dabei wird anhand festgelegter Bereiche geprüft, wie selbstständig die Person in der Praxis noch ist und wo regelmäßig Hilfe erforderlich ist.

Häufige Fehler entstehen, wenn beim Termin „besser dargestellt“ wird als es ist oder wenn wichtige Einschränkungen nicht konkret beschrieben werden.

Begutachtung: worauf es wirklich ankommt

Die Begutachtung bewertet nicht „Gefühle“ oder allgemeine Aussagen, sondern konkrete Fähigkeiten und Einschränkungen im Alltag. Je genauer Situationen beschrieben werden, desto eher wird der tatsächliche Hilfebedarf erkannt.

  • Konkrete Beispiele nennen (Was klappt nicht? Wie oft? Welche Hilfe ist nötig?).
  • Hilfsmittel, Sturzrisiko, Orientierung, Medikamente, Belastbarkeit dokumentieren.
  • Wenn Angehörige helfen: Art und Umfang der Hilfe klar benennen.

Typische Probleme beim Pflegegrad (Praxisfälle)

  • Alltag wird zu „positiv“ dargestellt (aus Scham oder Gewohnheit)
  • Hilfebedarf ist nicht konkret (zu allgemein, ohne Beispiele)
  • Unterlagen fehlen (Arztberichte, Medikamentenplan, Therapien)
  • Einzelbereiche werden unterschätzt (Mobilität, Orientierung, psychische Aspekte)
  • Bescheid passt nicht zur Realität (Punkte/Begründung nicht nachvollziehbar)

Viele Konflikte entstehen nicht, weil „nichts vorliegt“, sondern weil die Bewertung nicht die tatsächliche Belastung abbildet.

Wenn der Pflegegrad abgelehnt oder zu niedrig eingestuft wird

Häufig wird nicht komplett abgelehnt, sondern ein niedriger Pflegegrad vergeben, obwohl der Alltag deutlich stärker eingeschränkt ist. Entscheidend ist dann die Begründung: Welche Bereiche wurden wie bewertet und welche Punkte wurden angesetzt?

Maßgeblich ist immer der konkrete Bescheid: Begründung, Bewertung der Bereiche, und die Rechtsbehelfsbelehrung.

Passende Schritte auf AMTHERO

Tipp: Schreibe vor dem Termin 10–15 Alltagssituationen auf (Mobilität, Hygiene, Anziehen, Essen, Orientierung, Medikamente). Genau diese Beispiele entscheiden oft über die Einstufung.

Häufige Fragen

Muss eine bestimmte Diagnose vorliegen?

Entscheidend ist nicht die Diagnose, sondern die Einschränkung der Selbstständigkeit im Alltag.

Was ist der häufigste Fehler beim Pflegegrad?

Dass der Hilfebedarf zu allgemein beschrieben wird und konkrete Alltagssituationen fehlen.

Was mache ich, wenn der Pflegegrad zu niedrig ist?

Bescheid und Begründung prüfen: Welche Bereiche wurden wie bewertet und was wurde übersehen?

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung. Maßgeblich sind deine Unterlagen, die Begutachtung und die Bescheide der Pflegekasse im Einzelfall.

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